Pflegekurs: „Menschen mit Demenz verstehen lernen“

Pflegekurse für Pflegende Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen nach §45 SGB XI

Laut Absatz 1, §45 des Pflegeversicherungsgesetzes, haben die „Pflegekassen für Angehörige und sonstige an einer ehrenamtlichen Pflegetätigkeit interessierte Personen unentgeltlich Schulungskurse durchzuführen, um soziales Engagement im Bereich der Pflege zu fördern und zu stärken, Pflege und Betreuung zu erleichtern und zu verbessern sowie pflegebedingte körperliche und seelische Belastungen zu mindern und ihrer Entstehung vorzubeugen“ https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/45. An dieser Stelle sei gleich gesagt, dass es sich um ein sinnvolles und wertvolles Angebot handelt. Der von mir angebotene Kurs „Menschen mit Demenz verstehen lernen“ http://demenz-begreifen.de/veranstaltungen/ stellt eine solche kostenlose Schulung dar.

Die Begriffe „Pflegende Angehörige“ und „Pflegebedürftigkeit“

Einige Formulierungen führen bei Angehörigen, die nicht mit den Begrifflichkeiten aus der Pflege und der Pflegeversicherung vertraut sind, zu Irritationen. Erfahrungen aus meinem Berufsalltag zeigen, dass einige Interessenten eher verunsichert sind, da sie sich nicht als „pflegende Angehörige“ bezeichnen. Auch werden mit den Begriffen „Pflegebedürftigkeit“ und „Pflege“ überwiegend körperliche Einschränkungen in Verbindung gebracht. Da Menschen mit Demenz aber gerade zu Beginn oft noch körperlich gut zurecht sind und „nur“ dementielle Veränderungen zeigen, bezeichnen sich Pflege- und Begleitpersonen oft nicht als „Pflegende“.  

Ein weiterer, in der Fachliteratur gängiger Begriff, der für Verwirrung sorgt, ist der Begriff der „Angehörigen“ selbst. Vielfach wird angenommen, dass ein Verwandtschaftsverhältnis vorliegen muss, was jedoch für die Teilnahme an den Schulungen keine Voraussetzung darstellt.  Das Unterstützungsangebot richtet sich generell an all diejenigen, die privat in die Pflege und/oder Begleitung eines Menschen mit Demenz involviert sind. Das bedeutet, dass kein Verwandtschaftsverhältnis vorliegen muss. In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass ebenfalls weder eine bestimmte Kassenzugehörigkeit, noch die Diagnose „Demenz“ vorliegen bzw. gestellt worden sein muss. Letzteres bedeutet, dass auch diejenigen, die eine Demenz bei ihren Angehörigen lediglich aufgrund einiger auffälliger Verhaltensänderungen vermuten, an der Schulung teilnehmen können.

Zeitlicher Umfang und Inhalte der Schulung

Viele Interessenten werden im Vorfeld vom zeitlichen Umfang des Angebotes abgeschreckt. Die von mir angebotene Schulung „Menschen mit Demenz verstehen lernen“, umfasst 8 Abende á 2 Zeitstunden. Es handelt sich um einen kompakten Kurs, der Grundkenntnisse vermittelt, um Menschen mit Demenz verstehen zu lernen. So wird z.B. durch die Vermittlung des Krankheitsbildes bereits verständlich, dass ein Mensch mit Demenz neue Handlungsabläufe, wie z.B. das Bedienen einer neuen Kaffeemaschine, unter Umständen nicht mehr erlernen kann. Gleichwohl ist das Trainieren noch vorhandener Fähigkeiten wertvoll und wichtig.

Im Verlauf des Kurses wird, nach der Information über Leistungen der Pflegeversicherung und der Vorsorge, auch die Bedeutung der Selbstpflege und Entlastung der Pflege- und Begleitpersonen betont. Es ist eine Herausforderung, sich jeden Tag aufs Neue einer Pflegesituation zu stellen, die nicht vorhergesagt werden kann. Hierbei gilt es, die Pflegenden zu stärken und zu ermutigen, sowie Wege aufzuzeigen, die der individuellen Versorgungssituation angemessen und hilfreich sind. Weitere Einheiten zum Thema Kommunikation und Biographiearbeit runden die Schulung ab.

Das Verhalten verstehen lernen

Möchte ich das Verhalten eines Menschen mit Demenz verstehen lernen, so ist es zunächst erforderlich, sich mit dem Krankheitsbild auseinander zu setzen. Es ist ebenfalls wichtig, den Betroffenen als „individuell“ anzuerkennen, d.h. wahrnehmen und akzeptieren als eine eigene Persönlichkeit mit individuellen Vorlieben, Charaktereigenschaften und Bewältigungsstrategien. Allein dadurch können Gefühle und Reaktionen des Betroffenen leichter verstanden werden. Wird ein Verhalten eines Menschen mit Demenz im Ansatz nachvollziehbar, so lassen sich daraus wiederum Bedürfnisse vermuten. D.h., dass sich das Verhalten der Pflegenden Angehörigen am Verhalten und an den Bedürfnissen des Betroffenen orientiert. Dieser Aspekt würde die oft gestellten Fragen wie z.B. „Was kann ich tun?“ oder „Wie verhalte ich mich richtig?“ beantworten.

Verhaltensmuster erkennen können

Es liegt nahe, dass auch Kenntnisse über die Biographie hilfreich sind, um Verhaltensweisen leichter zuzuordnen und zu verstehen. Im Verlauf der Demenz stellen biographische Daten auch eine gute Möglichkeit dar, mit dem Betroffenen in Kontakt zu treten. Ferner umfasst die Auseinandersetzung mit der Demenz auch, dass die Pflege- und Begleitpersonen ihr eigenes Verhalten beobachten lernen. Denn durch das eigene Verhalten beeinflussen Begleitpersonen wiederum die Reaktion des Betroffen, man tritt sozusagen in Resonanz. Oft können Zusammenhänge zwischen dem Krankheitsbild, der Persönlichkeit, der Biographie, der individuellen Bewältigungsstrategien, den Gefühlen und Bedürfnissen, und des eigenen Verhaltens hergestellt werden. Es lassen sich dann Verhaltensmuster erkennen, und es liegt an den Pflege- und Begleitpersonen, das eigene Verhalten, die eigenen Reaktion abzuändern und etwas Neues auszuprobieren.

Der Kurs „Menschen mit Demenz verstehen lernen“ möchte die Teilnehmer auf diesem Weg begleiten. Sie vertiefen ihr Verständnis für das Krankheitsbild und werden sensibilisiert für die Gefühle und Bedürfnisse einen Menschen mit Demenz. Mit diesem Wissen ist es ihnen leichter möglich, eigene Verhaltensweisen zu verändern und mehr Sicherheit in der Pflege zu entwickeln.