Demenz und Corona, Tipps für Pflegende Angehörige

Demenz und Corona: Veränderungen, neue Situationen und andere Abläufe sind Herausforderungen für Menschen mit Demenz und somit auch für Pflegende Angehörige. Menschen mit Demenz mögen Vertrautes, gleichbleibende Strukturen und feste Abläufe. Daher wäre es wichtig, wenn Sie im Rahmen der derzeitigen Gegebenheiten versuchen würden, den bisherigen Tagesablauf aufrecht zu erhalten. Sicherlich kommen durch die vorgegebenen Verhaltensregeln aufgrund von Corona, deutlich mehr Aufgaben auf Sie zu und Sie werden immer wieder entscheiden müssen, was Sie davon leisten können.

Bewegung: Planen Sie gemeinsame Aktionen

Trotz Demenz und Corona sollten Sie, wenn möglich, dem Bewegungsdrang Ihrer Angehörigen nachgeben. Lassen Sie auch Spaziergänge zu und klären Sie, wer Ihren betroffenen Angehörigen wann begleiten kann. Stellen Sie ggf. Pläne auf, wer wann zum „Einsatz“ kommt. Für ein paar Anregungen für Pflegende Angehörige möchte ich auch auf aktuelle Empfehlungen aus dem Internet verweisen. Für kleine Bewegungseinheiten und -übungen gibt es einige Anregungen unter https://www.aelter-werden-in-balance.de. Diese sind nicht speziell für Menschen mit Demenz erstellt, aber auch Betroffene können, je nach Schwere ihrer Demenz, einige dieser Übungen umsetzen. Gehen Sie dabei spielerisch vor, üben Sie keinen Druck aus und planen Sie eine gemeinsame Aktion daraus.

Beschäftigung: Sinn des Spiels ist es, eine schöne Zeit zu haben

Auch die Beschäftigung ist ein Aspekt, der verstärkt auf Sie als Pflegende Angehörige zukommen kann, da externe Angebote und Unterstützer eingeschränkt sind. Wenn Sie eine Beschäftigung planen, orientieren Sie sich an der Biographie Ihres Angehörigen. Was wurde gern gespielt oder getan, welche Beschäftigung gerne ausgeführt, welcher Beruf ausgeübt. Was bringt positive Erinnerungen hervor? Was können Sie davon ausprobieren? Knüpfen Sie an noch vorhandenen Fähigkeiten an, auch wenn diese noch so klein sind. Lassen Sie sich nicht entmutigen! Es geht immer wieder darum zu sehen, was noch möglich ist. Wenn erforderlich, spielen Sie mit vereinfachten Regeln, lassen Sie „fünfe gerade sein“. Sinn des Spiels ist es, gerade in Zeiten von Demenz und Corona eine schöne gemeinsame Zeit miteinander zu verbringen.

Vielleicht nehmen Sie auch wieder alte Bücher, Briefe oder Schallplatten zur Hand und schauen Sie, worauf Ihr Angehöriger interessiert und positiv reagiert. Anregungen zur Beschäftigung, besonders für Pflegende Angehörige, finden Sie auch in der App der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. „Alzheimer& YOU, Den Alltag positiv gestalten“ https://www.deutsche-alzheimer.de.

Eigene Entlastung: Welche Arbeit muss jetzt wirklich sein?

Sicherlich haben Sie sich während des Lesens gefragt, wer die alltägliche Arbeit erledigt, wenn Sie verstärkt in die Begleitung und Pflege eingebunden sind. Vermutlich wird es so sein, dass nicht alles getan werden kann. Fragen Sie sich, welche Tätigkeit wirklich Priorität hat. An dieser Stelle möchte ich Pflegende Angehörige ermutigen darüber nachzudenken, wer Ihnen ein wenig Last von den Schultern nehmen kann. D.h. überlegen Sie gemeinsam in der Familie, wer welche Arbeiten erledigt und wer wann welche Einkäufe übernimmt. Ich möchte auch auf die unterschiedlichen Angebote vor Ort hinweisen. Welches Geschäft verfügt über einen Bringedienst? Wo gibt es Nachbarschaftshilfen und welche Aufgaben werden von diesen übernommen? In welchem Ort gibt es eine Anlaufstelle für Freiwilligendienste wie hier in Stadt und Landkreis Osnabrück z.B. die Freiwilligenagentur https://www.osnabrueck.de/coronavirus/ehrenamtliches-helfen/ .

Ich möchte Pflegende Angehörige auch ermutigen, gedanklich einmal durchzuspielen, was passiert, wenn bestimmte Arbeiten liegen bleiben? Wägen Sie die Folgen ab, ein unaufgeräumtes Wohnzimmer, oder ein erhöhter Stresslevel, der zu Spannungen, Ärger und Konflikten führt? Führen Sie sich vor Augen, bis zu welchem Punkt Sie selbst mit welchen Abstrichen leben können und vergessen Sie nicht, dass es sich um eine zeitlich begrenzte Ausnahmesituation handelt. Seien Sie offen für die kurzen positiven Momente, ein Lächeln im Vorübergehen, ein kleiner Plausch mit der Nachbarin oder ein kurzes Telefonat mit einem lieben Menschen.

Das Aushalten der Besuchsverbote in Heimen und Kliniken: Holen Sie sich Unterstützung!

Schwierig und extrem belastend ist sicherlich die Situation, wenn Ihre Angehörigen bereits Bewohner eines Pflegeheims sind oder sich stationär im Krankenhaus oder einer Klinik befinden. Es ist schwer, in dieser Situation tröstende Wort zu finden, da die Möglichkeiten des Kontaktes extrem eng gefasst sind. Wenn Pflegende Angehörige zu Hause diese Situation „aushalten“ müssen, empfehle ich zu schauen, wer Trost spenden kann gerade in Zeiten von Demenz und Corona. So können Sie unter Beachtung des 2m Abstandes, z.B. durch einen Kaffee, einen gemeinsamen Spaziergang oder einen kurzen Austausch Unterstützung erfahren. Es muss aber nicht immer das Gespräch sein, das hilft, manchmal geht es darum, die aktuelle Situation zu begleiten, mit zu tragen und DA zu SEIN.

Gemeinsam lässt sich möglicherweise auch besser überlegen, was überhaupt getan werden kann und auf welchem Weg Pflegende Angehörige Kontakt halten können. Durch verschiedene Medien wurde darauf hingewiesen, Postkarten und/oder Briefe zu schreiben, um so zu zeigen, dass Sie da sind und an Ihre Lieben denken. Seien Sie hierbei auch gerne kreativ; gibt es alte Postkarten, können Sie Postkarten z.B. aus alten Fotos selbst gestalten? Um hierbei unliebsame Überraschungen zu vermeiden, klären Sie vorab bei der Post bitte die Höhe der Frankierung. Auch kleine Überraschungspäckchen mit kleinen Aufmerksamkeiten, z.B. dem Lieblingskeks, bereiten eine Freude.

Fragen Sie in den jeweiligen Einrichtungen, welche technischen Möglichkeiten bestehen. Gibt es die Möglichkeit der Videotelefonie für Pflegende Angehörige, evtl. über Skype? Klären Sie, welche Möglichkeiten der Unterstützung es durch das Pflegepersonal gibt. Sind Sie unbedarft im Umgang mit diesen Medien, gibt es sicherlich auch hier Unterstützung in der Familie, im Bekanntenkreis oder durch Helferkreise.

Demenz und Corona ist eine neue Situation mit ganz besonderen Herausforderungen, die uns mit unseren Grenzen konfrontiert und in der laufend neue, teilweise individuelle Lösungswege gesucht werden. Viele Menschen sind auf unterschiedliche Art und Weise belastet und betroffen. Abschließend möchte ich gerade Pflegende Angehörige noch einmal ermutigen, nach Unterstützern zu suchen, so dass Sie erfahren, dass Sie nicht alleine sind. Bei all der Schwere und Trauer, versuchen Sie sich zu fragen, was Sie tun können, denn auch eine kleine Postkarte kann gerade in dieser Zeit eine große Bedeutung haben.